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Tagebuch schreiben - Hype oder Hilfe? 300 Tage Selbsttest



  • erhöhte Achtsamkeit

  • verbessertes Gedächtnis

  • bessere Kommunikationsfähigkeiten

  • stärkeres Immunsystem

  • besserer Schlaf

  • mehr Selbstbewusstsein

  • höherer IQ

  • schnellere Wundheilung


Krass! Klingt besser als der Zaubertrank von Asterix! Aber sorry, leider gibt es keinen Schluck für dich (und für mich auch nicht).


Stattdessen bin ich letztens über einen Artikel der New York Times gestolpert. Laut Artikel und verlinkten Studien sollen das nämlich alles Vorteile sein, die allein dem Tagebuchschreiben zugerechnet werden können.


Bei einigen Punkten gehe ich ja noch mit, aber eine schnellere Wundheilung?! Naja. Lassen wir mal so dahingestellt.


Das ist aber nicht die einzige Quelle, die von den vielen Vorteilen berichtet. Eigentlich siehst und hörst du es überall. Jeder Podcast über Gesundheit, persönliche Entwicklung etc. hat in letzter Zeit irgendwann mal über das Schreiben in Tagebücher gesprochen.


Auf den Zug sind direkt Anbieter von Tagebuch Apps oder Notizbüchern aufgesprungen. Resultate sind zum Beispiel das 6-Minuten-Tagebuch.


Da dir wissenschaftliche Studien und Artikel, die darüber berichten, nicht wirklich weiterhelfen, erzähle ich dir lieber, welche Erfahrungen ich persönlich gemacht habe.


Also, Tagebuch schreiben, was ist dran? Hype oder Hilfe?



Erfahrungen nach 300 Tagen Selbsttest


Vorab kurz zu meinem Setup: Normaler Notizblock mit leeren Seiten und ein Kuli (mittlerweile habe ich 4 oder 5 komplett leer geschrieben).


Da es zum Glück unter uns bleibt, will ich dir gestehen, dass ich mir anfangs natürlich auch den Mund von den tollen Vorteilen hab wässrig reden lassen. Das hatte wiederum zur Konsequenz, dass meine Erwartungshaltung nicht gerade niedrig war.


Und genau das kann schon zu Problemen führen. Zu Beginn fand ich es nämlich ziemlich nervig. Ich hatte nicht wirklich Bock drauf und hab mir eher ein paar Wörter und Sätze heraus gequält. Das wird aber nicht nur an meinen Erwartungen gelegen haben, sondern ist wahrscheinlich sowieso ganz normal.


So ging das mindestens einen Monat. Danach wurde es langsam besser und meine Einträge wurden auch etwas länger. So richtig reflektiert habe ich da aber noch nicht. Es war inhaltlich eher so ein "das hat Spaß gemacht, das hat keinen Spaß gemacht."


Am Ende vom zweiten Monat ist es langsam zur Routine geworden und hat angefangen mir zu helfen. Ich habe dann wirklich Dinge hinterfragt und verarbeitet. Von dort an wurde es langsam immer besser.


Ab dem vierten oder fünften Monat habe ich mich dann sogar immer schon richtig drauf gefreut den Stift in die Hand zu nehmen und zu schreiben. Statt ein paar Sätzen schreibe ich jetzt eher ein paar Seiten am Tag.



Vorteile vom Tagebuch schreiben


Mittlerweile ist das Tagebuch mein ständiger Begleiter! Egal was ich vorhabe, wo ich hinfahre oder was geplant ist, entweder habe ich das Tagebuch dabei oder bereits rein geschrieben.


Warum? Es hilft mir mich selbst zu reflektieren, mich kritisch zu hinterfragen, Situationen einzuordnen und lässt mich dadurch mehr ich selbst sein. Es gibt mir die Chance zu erkennen, wo ich mich verbessern kann.


Wenn du so willst ist es also mein persönlicher Therapeut und Berater, mit dem ich jeden Abend eine kostenlose Session habe. Mit dem ich ganz offen quatschen kann. Dadurch treibt es meine persönliche Entwicklung positiv an.


Neben dem eigentlichen Schreiben habe ich mir angewöhnt jeden Monat ein Review zu machen. Was hat mich den Monat über beschäftigt? Welche Parallelen gibt es zu vorherigen Monaten?


Dadurch kann ich meine eigene Entwicklung super beobachten und kann prüfen, wie ich mich verändert habe. Ich kann zum Beispiel feststellen, ob ich vor ein paar Monaten glücklicher oder weniger glücklich im Alltag war, ob sich meine Motivation für bestimmte Dinge verändert hat etc.


Ohne die täglichen Einträge wäre das auf jeden Fall nicht möglich.


Die Vorteile von oben kann ich aber nicht wirklich beurteilen. Ich mein ich schlafe schon ziemlich gut, bin quasi nie krank und kann auch nicht gerade schlecht kommunizieren. Aber ob das rein am Tagebuch liegt? Keine Ahnung, wahrscheinlich nicht.



Nachteile vom Tagebuch schreiben


Viel gibt es hier tatsächlich nicht zu sagen.


Der einzige Aspekt ist, dass es zeitaufwendig ist und du es fast jeden Tag tun musst, damit es dir wirklich hilft. Dadurch musst du auf jeden Fall ein gewisses Maß an Motivation und Disziplin mitbringen.


Insbesondere am Anfang, wo du noch keine Vorteile merkst, es dir noch nicht richtig Bock macht und vielleicht sogar nervt, ist es natürlich besonders leicht einfach wieder aufzuhören.


Das wird mit der Gewohnheit aber leichter. Ich habe mir zum Beispiel angewöhnt ungefähr immer zur gleichen Zeit zu schreiben - abends bevor ich schlafen gehe. Dadurch wird es zur Routine und du machst es fast automatisch. Andere bevorzugen hingegen morgens zu schreiben, um Klarheit für den Tag zu schaffen.



Worüber sollte ich schreiben?


Die Vorteile, die ich dir gerade berichtet habe, spürst du natürlich nur, wenn du auch über deine Ängste, Gefühle, Ideen, Motive, Vorstellungen und so weiter schreibst. Wenn du einfach nur objektiv den Tag beschreibst, ohne näher darauf einzugehen, hast du zwar eine nette Erinnerung, aber keinen Mehrwert.


Deshalb lenkt dich das 6-Minuten-Tagebuch zum Beispiel gezielt zur Selbstreflexion. Es fragt dich nicht wen du heute getroffen hast, sondern "Was hätte ich heute besser machen können?"


Falls du eine Hilfestellung brauchst, worüber du am besten schreibst, wie du durchhältst oder weitere allgemeine Aspekte zum Tagebuch suchst, kannst du einfach mal hier vorbei gucken.



Tagebuch Apps oder Notizbücher?



Ein Punkt, der mir bislang noch nicht gut genug beantwortet wurde, ist die Frage wie du Tagebuch schreibst.


Solltest du, wie ich, ein Notizbuch nehmen? Oder doch das 6-Minuten-Tagebuch? Eine Tagebuch App oder einfach die Handynotizen? Oder vielleicht doch gleich am Laptop?


Ganz klarer Vorteil für das Handy ist natürlich, dass du es sowieso immer dabei hast und nicht noch irgendwas extra mit dir rumschleppen musst. Vorausgesetzt du schreibst irgendwo unterwegs. Außerdem besitzt du dein Handy ja schon und brauchst nicht noch extra was kaufen. Je nach App kann das natürlich aber auch anders sein.


Ein weiterer Vorteil vom Handy ist, dass es dich unterstützen kann zu schreiben. "Hello, ich bin's deine App, denk dran zu schreiben." Genauso kannst du dir aber auch einen regelmäßigen Wecker stellen.


Tatsächlich den größten Vorteil sehe ich aber darin, dass du digital einerseits viel leichter suchen und andererseits Stellen einfach kopieren kannst. Wenn ich jeden Monat mein Review mache, würde es mir definitiv helfen nach bestimmten Keywords schnell suchen und diese kopieren zu können. Das gilt natürlich genauso für deinen Laptop.


Handy und Laptop kannst du zudem auch synchronisieren und musst dich nicht nur auf das eine beschränken.


So, jetzt aber zu den Nachteilen und warum ich denke, dass ein Notizbuch die bessere Variante ist. Das hat gar nichts mit dem Medium an sich zu tun, sondern wie du es bedienst.


Mittlerweile wurde in der Neurowissenschaft nämlich mehrfach nachgewiesen, dass es effektiver ist etwas handschriftlich zu verfassen. Es werden beim Schreiben mit der Hand mehr Bereiche deines Gehirns aktiviert, wodurch du kreativer und kritischer denkst.


Außerdem bleiben dir Sachen, die du mit der Hand schreibst länger im Gedächtnis, als wenn du sie tippst. Das liegt daran, dass du beim Schreiben langsamer bist. Dadurch setzt du dich intensiver mit den Informationen auseinander. Und das ist ja genau das, was wir wollen. Wir wollen uns mit uns selbst auseinandersetzen.


By the way: im verlinkten Versuch wurde auf Laptops getippt. Ich habe aber mal den Test gemacht und festgestellt, dass ich auch am Handy schneller tippen, als mit der Hand schreiben kann.



Tagebuch schreiben - Fazit


Also, Hype oder Hilfe? Auf jeden Fall wird es aktuell sehr gehyped!


Aber in meinen Augen zurecht! Ich bin mir sicher du wirst das Gleiche sagen, wenn du es mindestens 3 Monate lang machst. Sorry, aber so lang wird es wahrscheinlich dauern, bis du dich wirklich dran gewöhnt hast und ein Gefühl dafür entwickelst, was und worüber du schreibst.


Per Hand auf ein leeres Blatt schreiben hat sich für mich bewährt. Und gerade mit den Vorteilen, die deine Handschrift gegenüber dem Tippen hat, würde ich dir das auch empfehlen. Gegebenenfalls probiere ich zukünftig noch aus mit dem Apple Pencil aufs iPad zu schreiben. So habe ich zumindest den Vorteil digital suchen zu können.


Wenn dich das aber nervt ist es natürlich tausend Mal besser in dein Handy zu tippen, als gar nicht zu schreiben!


Bezüglich Möglichkeiten wie dem 6-Minuten-Tagebuch denke ich, dass es ein guter Anfang sein kann, dich aber langfristig eher einschränkt. Manchmal willst du nur zu einem bestimmten Thema etwas schreiben und das gegebenenfalls auch etwas ausführlicher. Ich muss aber dazu sagen, dass ich es selbst noch nie ausprobiert habe.



Also, wenn du mich fragst sind Tagebücher ein riesiger Vorteil, von dem sich viele wünschen sie hätten ihn. Ich persönlich werde vermutlich so schnell nicht mehr aufhören mit meinem persönlichen, kostenfreien Berater zu sprechen!



Solltest du nun mit deinem Sprechen wollen - viel Spaß beim Schreiben, Reflektieren, Kennenlernen.


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