• gabo

Sag wer du sein willst, nicht wer du bist!



Ich war vor einiger Zeit mal bei einem Vortrag von einem Manager im Finanzbereich bei dem er über seine Laufbahn erzählt hat. Zu Beginn seiner Karriere hat er während seines Studiums ein eigenes, kleines Unternehmen aufgebaut.


Sein Problem war, dass er es nicht hinbekommen hat an seinen Zielen zu arbeiten, sondern ständig andere Dinge getan hat. Eigentlich wollte er Samstag vormittags am Unternehmen arbeiten. Aber dann kam Freitag Abend und was macht ein Student am Freitag? Arbeiten. Nein Quatsch, feiern! Samstag vormittag ging es dann um 8 ins Bett, statt an den Schreibtisch.


Das ging eine Weile so. Irgendwann hat er einen gedanklichen Shift gemacht. Er hat sich nicht mehr als Student, sondern als Unternehmer betrachtet. Auch wenn das Unternehmen noch gar keinen Cent eingebracht hat.


Was hat sich dadurch geändert? Er hat nicht sein ganzes Leben auf den Kopf gestellt. Er war Freitags zum Beispiel trotzdem noch feiern. Aber anders. Er hat den Abend als Möglichkeit zum Networking betrachtet, hat ein paar Bier weniger getrunken und lag nicht erst um 8 im Bett. So war Samstag vormittags dann Zeit am Unternehmen zu arbeiten.


Da er jetzt Unternehmer war, hat er so gehandelt, wie es ein Unternehmer in dieser Situation tun würde. Das einzige was er getan hat, um seinen Zielen nachzukommen, war sich erstmal ein anderes Label zu geben. Er hat gesagt, wer er sein möchte und nicht wer er ist.


Welche Auswirkung das haben kann, besprechen wir gleich im Detail. Lass uns zunächst erstmal kurz gucken, was ein Label ist und was das mit uns zu tun hat.



Was sind Label?


Gucci, Prada und Louis Vuitton sind Labels, aber die meine ich natürlich nicht.


Sie helfen uns trotzdem weiter. Egal welches Label du dir anschaust, Mode-Label, Musik-Label, sie dienen alle einem einzigen Zweck. Es sind eindeutige Wiedererkennungszeichen.


Wenn ich jetzt von Label spreche, meine ich aber Selbst-Label. Also sowas wie Student oder Unternehmer. Auch das ist ein eindeutiges Wiedererkennungszeichen.


Was bringt das aber?


Wie so häufig läuft es wieder darauf hinaus, dass wir Menschen effizient sein wollen. Wir wollen Sachen vereinfachen. Dinge die bekannt sind, erkennen wir leichter wieder. Unbekannte Dinge müssen erst kennengelernt werden.


Label sorgen also für kognitive Effizienz und beschleunigen dabei unsere Entscheidungen. Bin ich Student, entscheide ich mich schneller für Dinge, die ein Student tut. Bin ich Unternehmer, für Dinge, die ein Unternehmer tut.



Identität verpackt in einem Label


Gut, Student und Unternehmer sind Label. Sie helfen uns dabei unsere Identität zu definieren.


Unsere Identität ist die Art und Weise, wie wir uns selbst wahrnehmen und verstehen. Typische Merkmale, um unsere Identität zu definieren sind zum Beispiel das Geschlecht, der Job, das Alter, eine bestimmte Gruppenzugehörigkeit, aber auch bestimmte Eigenschaften.


Alle diese Merkmale können über Label beschrieben werden. Das heißt, Selbst-Label sind im Grunde nichts anderes als Identitäts-Merkmale. Und davon gibt es nicht nur eins, sondern beliebig viele. Zum Beispiel: Sportler, fleißiger Mitarbeiter, fürsorgliche Mutter, introvertierter Mensch, Wein-Liebhaber, Warmduscher, Bayern-Fan, Sozialdemokrat und so weiter.


Mit jedem Label versuchen wir unsere Identität besser zu beschreiben. Wie die Krake hängt sich jeder von uns in der Regel mehr als nur ein imaginäres Schild um.



Identität und Motivation


Außerdem erleichtert jedes Label unsere Entscheidungen. Der Mensch möchte in seinem Sein und Handeln konsistent sein. Er möchte sich also entsprechend seiner Identität verhalten. Und da ein Label unsere Identität beschreibt, verhalte ich mich entsprechend dem Label.


Dieses Konzept nennt sich auch Identitäts-basierte-Motivation und kann ganz einfach zusammengefasst werden.


Wenn etwas unserer Identität entspricht, sind wir motiviert es zu tun, wenn es nicht unserer Identität entspricht eben nicht.

  • Entspricht Identität: Personen wie ich machen sowas

  • Entspricht nicht Identität: Personen wie ich machen sowas nicht


Welche Auswirkungen das haben kann, zeigt zum Beispiel das Verhalten von Rauchern, die mit dem Rauchen aufhören wollen. Es macht nämlich einen riesigen Unterschied, welches Label sich die Personen geben.


Sind sie weiterhin Raucher oder sind sie Nicht-Raucher?


Wenn sie sich weiterhin als Raucher sehen, liegt die Wahrscheinlichkeit im nächsten Jahr wieder anzufangen bei 95 %.


Geben sie sich stattdessen das Label als Nicht-Raucher, sinkt die Wahrscheinlichkeit deutlich. Nur 20 % fangen innerhalb des nächsten Jahres wieder mit dem Rauchen an.


Sie müssen sich nicht ständig rechtfertigen Raucher zu sein, aber nicht mehr zu rauchen. Stattdessen müssen sie sich jetzt als Nicht-Raucher dafür rechtfertigen, wenn sie eine rauchen wollen. Rechtfertigen ist anstrengend, weshalb wir es vermeiden wollen.



Wechselwirkung Identität und Verhalten


Stellt sich die Frage nach Ursache und Wirkung - Henne oder Ei?


Sorgen Label dafür, dass wir unser Verhalten ändern oder müssen wir unser Verhalten ändern, um ein neues Label und somit eine neue Identität anzunehmen?


Die Antwort ist Ja! Beides.


Sie beeinflussen sich gegenseitig. Wenn sich dein Verhalten ändert, ändert sich deine Identität, ändert sich dein Verhalten, ändert ...


Über die eine Richtung haben wir gerade schon gesprochen - Label geben und das Verhalten passt sich entsprechend an. Die andere Richtung ist ziemlich selbsterklärend.


Wenn ich mich lange genug auf eine bestimmte Art und Weise verhalte, zum Beispiel jeden Tag Fußball spiele, dann werde ich mich irgendwann schon als Fußballspieler betrachten. Fußballspielen wird zum Teil meiner Identität.


Dass sie sich gegenseitig beeinflussen, ist dann genauso logisch. Bleiben wir beim Beispiel Fußball. Wenn ich mich als Fußballer sehe, spiele ich Fußball. Umso mehr ich spiele, desto mehr sehe ich mich als Fußballer.


Wenn du dir diese Effekte kurz und knapp merken möchtest, ist Fake it till you make it wahrscheinlich das, was dem nächsten kommt.



Eigenes Label leben


Ein Label kannst du also nutzen, um dich zu motivieren deine Ziele zu erreichen.


Das Problem von so Aussagen wie Fake it till you make it oder Büchern wie The Secret ist aber, dass sie so tun als würde irgendwas passieren, wenn du nur dran glaubst. Du kannst dir alles vorstellen, aber von einer Vorstellung alleine wird nichts passieren. Auf der Couch sitzen und dich Obama nennen macht dich trotzdem nicht zum Präsidenten.


Das heißt ein Label ohne Taten, bleibt nur ein Label. Das ist wie Google Maps beim Autofahren. Nur eine Adresse einzugeben bringt dich noch nicht ans Ziel. Du musst schon selbst den Schlüssel umdrehen, einen Gang einlegen und losfahren.


Label und Google Maps helfen uns aber leichter ans Ziel zu kommen. Wir müssen nicht bei jeder Kreuzung anfangen nachdenken. Stattdessen werden uns viele Entscheidungen abgenommen.


Mit Labels können wir unser Verhalten steuern und so langfristig unsere Identität entsprechend ändern. Damit meine ich gar nicht, dass du jetzt eine komplett neue Identität annehmen und ein Doppel-Agent werden sollst. Um unsere Identität zu beschreiben haben wir schließlich ganz viele Labels und nur weil du eins änderst, wirst du dich nicht um 180 Grad drehen.


Du solltest aber wissen, welche Wirkung Labels haben können und diese gezielt für dich nutzen!



Kein Label hält auf Lebenszeit


Zunächst ist es nicht unbedingt ratsam seine ganze Identität auf nur ein Label zu reduzieren. Was wenn dieses eine Label verloren geht? Menschen, die nur für ihren Job leben, gehen auch irgendwann mal in Rente gehen. Wenn die Jobbezeichnung nun aber die ganze Identität ausmacht, kann derjenige ohne den Job eine Identitätskrise bekommen.


Das heißt es ist ganz wichtig, dich nicht auf Teufel komm raus an ein Label zu klammern. Genauso wie sie dir helfen, können sie dich auch einschränken.


Deine Persönlichkeit und dein Leben ist dynamisch und ändert sich laufend. Dementsprechend solltest du auch deine Labels anpassen, damit sie nicht irgendwann gegen dich arbeiten.


Dazu kannst du zum Beispiel regelmäßig prüfen, ob deine Labels noch aktuell sind und dich bei deinen Zielen unterstützen. Was regelmäßig heißt, musst du für dich selbst definieren. Das könnte alle 6 Monate oder einmal im Jahr sein.


Einen ganz klaren Indiz dafür, dass du dir über deine Labels Gedanken machen solltest, hast du, wenn dein Label mit deinen Taten übereinstimmt. Erinner dich nochmal an den Manager vom Beginn. Er war Student, hat sich aber nicht länger dieses Label gegeben. Das kannst du auch.


Es kann aber natürlich gut möglich sein, dass du in der Zukunft weiterhin sein möchtest, was du aktuell bist. Der Unternehmer möchte in 5 Jahren vielleicht auch noch Unternehmer sein. Wenn dies so ist, beschreibst du trotzdem, was du sein möchtest und nicht, was du aktuell bist.



Wie nutzt du Labels am besten für dich?


Zunächst kannst du einfach mal darüber nachzudenken, welche Labels du dir so gibst. Denk' über die verschiedenen Dinge nach, die du typischerweise so machst und überleg dir, wie du dich in diesem Kontext beschreibst.


Der schwierigere Teil wird der zweite Part sein. Damit dir Labels bei deinen Entscheidungen helfen können, musst du ungefähr eine Vorstellung haben, wobei sie dir eigentlich helfen sollen. Das heißt du musst deine Zielen kennen.


Wenn du das beides hast, kannst du schauen, ob deine Labels mit deinen Zielen übereinstimmen. Möchtest du aufhören zu rauchen und nennst dich selbst einen Raucher, ist es definitiv nicht der Fall.


Ich habe zum Beispiel auf den Blog hier und meinen Social Media Profilen geschrieben, dass ich Autor und Blogger bin, bevor ich überhaupt ein Buch oder Artikel rausgebracht habe. Autor ohne Buch? Blogger ohne Artikel? Naja.


Es sind aber Ziele von mir und es motiviert mich daher zu schreiben. Ein Autor schreibt Bücher - ich bin ein Autor - deshalb schreibe ich jetzt an meinem Buch.


Sag wer du sein willst, nicht wer du bist!