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Warum jeder Mensch mein Freund ist!



In Der König der Löwen läuft der kleine Löwe Simba von seiner eigentlichen Heimat davon. Er läuft tagelang durch Wüsten, bis er irgendwann vor Erschöpfung strandet. Die Geier kreisen schon über ihm und wollen sich gerade über Simba hermachen, als Pumba das Warzenschwein mit seinem Kumpel Timon dem Erdmännchen den Kadaver für sich erobern.


Timon und Pumba stellen aber fest, dass sie dort keinen Kadaver liegen haben, sondern ein lebendes Tier. Nur was für eins? Timon untersucht Simba. Als er erkennt, dass da ein Löwe liegt, Schock, Angst, Panik! Er ist sofort im Fight-or-Flight-Modus. Ein Löwe! Ein böser Löwe! Löwen essen kleine Erdmännchen und Warzenschweine zum Frühstück, denkt sich Timon.


Pumba ist da anderer Meinung. Er meint Simba könnte genauso auch gut sein. Vielleicht ist er ja sogar ihr Freund. Wie sich herausstellen wird, hat Pumba damit recht.


Sind Löwen nun aber von Natur aus böse und Simba ist die eine Ausnahme? Oder sind Löwen eigentlich gut und es gibt ein paar schwarze Schafe? Wenn Timon und Pumba den nächsten Löwen treffen, Freund oder Feind?


Solche Disney Filme sollen natürlich nur menschliches Verhalten verniedlicht und vereinfacht rüberbringen und haben nichts mit der Realität zu tun. Welches Erdmännchen streift schon mit seinem Kumpel dem Warzenschwein durch die Wüste?


Die Frage nach der Natur des Menschen, gut oder schlecht, finden wir aber nicht nur in den Filmen und auch nicht nur in der Philosophie. Sie begegnet uns täglich bei jeder Interaktion, die wir mit anderen Menschen haben. Welche Auswirkungen unsere eigene Grundeinstellung auf uns haben kann, gucken wir uns jetzt mal an.


Zum Schluss darfst du selbst entscheiden, ob du lieber ein Timon oder ein Pumba bist.



Natur des Menschen


Ist der Mensch von Natur aus gut oder schlecht?


Über diese Frage zerbrechen sich Philosophen und Wissenschaftler aus allen Kulturen seit Jahrhunderten den Kopf. Einen finalen Beweis hat bislang noch niemand gebracht.


Ganz egal, welche Ansicht du hast, du bist in prominenter Gesellschaft. Sigmund Freud hat den Menschen als wildes Monster betrachtet, welches nur durch Normen gezähmt wird.


Auf der anderen Seite haben wir zum Beispiel René Descartes und Abraham Maslow als Vertreter. Sie waren der Ansicht der Mensch ist gut, kann aber durch Erlebnisse oder soziale Zwänge davon abgebracht werden.


Ich will gar nicht diskutieren, wer davon recht hat und was richtig ist. Mich interessiert viel mehr, welche Folgen diese Grundansichten haben und was das für uns bedeutet.


Vielleicht fragst du dich gerade, wieso es eigentlich gut oder schlecht sein muss. Du könntest den Menschen ja auch einfach objektiv betrachten. Das Problem ist, dass du niemals objektiv sein kannst. Du hast bereits eine eigene subjektive Vorstellung davon, was Objektivität bedeutet. Das, was du in einer Situation als objektiv beschreiben würdest, würde ich ziemlich sicher leicht anders sehen.


Objektivität ist also so eine Sache. Wenn wir uns ganz zum Schluss die Auswirkungen angeguckt haben, wirst du die Objektivität vermutlich auch nicht mehr als Option wählen wollen.



Default wählen - welche Konsequenzen hat das?


Es gibt genügend Menschen, die wissenschaftliche Studien grundsätzlich sehr kritisch betrachten. "Traue keiner Studie, die du nicht selber gefälscht hast."


Normalerweise meinen wir hiermit Studien, welche bewusst gefälscht werden. Studien, bei denen zum Beispiel ein großer Konzern einem Wissenschaftler Kohle gibt, damit dieser "Beweise" liefert. Die Beweise werden anschließend vermarktet.


Auf der andere Seite werden unzählige Studien unbewusst gefälscht. Die Wissenschaftler haben in diesem Fall nicht vor das Ergebnis bewusst zu beeinflussen. Aber sie bringen eine Grundannahme mit und verfallen während der Versuche dem Irrtum Zusammenhänge zu sehen, wo vielleicht gar keine sind. Sie gehen davon aus, dass ihre Annahme stimmt und wollen sie beweisen.


Das ist ein typischer Verzerrungseffekt. Um genau zu sein der Bestätigungsfehler (Confirmation-Bias). Das bedeutet Informationen werden so ausgewählt, ermittelt und interpretiert, dass die eigenen Erwartungen bestätigt werden.


Was heißt das für die Natur des Menschen? Wenn du die Erwartung hast, dass der Mensch schlecht ist, möchtest du in dieser Erwartung bestätigt werden. Das heißt du achtest besonders auf solche Dinge, welche dir Recht geben. Dir fallen deshalb besonders die negativen Aspekte von Personen auf.


Ganz einfach gesprochen: Wenn ich etwas negatives an dir finden will, dann finde ich das auch!


Anders herum funktioniert das natürlich ganz genauso. Hast du die Erwartung, dass der Mensch gut ist, werden dir vor allem positive Aspekte an Menschen auffallen, damit auch diese Erwartung bestätigt wird.


Langfristig wirst du dadurch immer und immer wieder in deiner Grundeinstellung bestätigt. Deshalb könntest du denken ich würde dir vollkommen Quatsch erzählen, wenn ich anderer Meinung wäre. Du erlebst es doch täglich anders! Ja, richtig - ich aber auch!



Auswirkungen - wie wirkt sich ein Default aus?


Egal, ob du die Menschen nun als gut oder schlecht betrachtest, grundsätzlich führt so eine Grundeinstellung erstmal dazu, dass du für andere Aspekte blind werden kannst.


Ein ganz typisches Beispiel ist über beide Ohren verliebt zu sein. Du hast eine rosarote Brille auf und dein Partner kann quasi machen, was er will. Nichts ist schlecht, komisch oder nervig. Das funktioniert natürlich auch in die andere Richtung. Wenn du jemanden echt nicht abkannst, kann er wahrscheinlich machen, was er will - alles wird dich nerven und dir auf den Sack gehen.


Jetzt denken wir nochmal ein Stück weiter und gehen davon aus, dass wir das auf jeden Menschen anwenden.


Wenn der Mensch grundsätzlich schlecht ist, können wir ihm natürlich nicht vertrauen. Wir müssen uns schützen und nehmen deshalb eine Abwehrhaltung ein. Typische Abwehrhaltungen sind erstmal distanzierter zu sein und sich zu verschließen. Dabei wird alles skeptisch betrachtet und alles hinterfragt. Du bist quasi immer Wachsam, um dich zu schützen.


Solltest du den Mensch andererseits als grundsätzlich gut betrachten, dreht sich der Spieß komplett um. Du kannst jedem vertrauen und bist deshalb den Menschen offener gegenüber. Du hast keine Abwehrhaltung mehr. Dadurch machst du dich natürlich aber auch angreifbarer. Sollte jemand deine Offenheit gezielt ausnutzen wollen, hat er dadurch natürlich mehr Chancen, als wenn du eine Abwehrhaltung einnehmen würdest.


Ganz ehrlich, ich persönlich mach mich lieber etwas angreifbar, anstatt immer auf der Hut sein zu müssen und grundsätzlich pessimistisch drauf zu sein. Das ist aber nicht nur meine persönliche Ansicht, sondern hat viel tiefersitzende Gründe.


Pessimismus macht unglücklich. Wenn du immer und überall Feinde siehst, immer versuchst die negativen Aspekte hervorzuheben, wird es dir schwerfallen irgendwohin etwas gutes zu sehen.


Auf der anderen Seite macht Optimismus glücklich. Das wirkt sich auch auf unser Wohlbefinden aus. Tatsächlich konnte wieder und wieder gezeigt werden, dass Optimismus uns länger leben lässt.



Menschen sind Rudeltiere

Würdest du gerne viel und engen Kontakt mit ganz vielen Menschen haben, wenn Menschen von Natur aus schlecht sind? Wahrscheinlich eher nicht.


Das wäre aber nicht wirklich förderlich für dich. Wir brauchen Beziehungen und andere Menschen. Die Gruppe, das Rudel, ist tief in uns verankert. Der Lebensstandard, den wir mittlerweile haben, konnte nur durch das Bilden von sozialen Gruppen entstehen. Ein Mensch allein wäre nie soweit gekommen. Seit hunderttausenden Jahren wissen wir daher, dass wir andere Menschen brauchen.


Wir brauchen sie sogar so sehr, dass wir krank werden, wenn wir sie nicht haben. Insbesondere psychische Erkrankungen, bis hin zu Depressionen, können die Folge von fehlenden Beziehungen sein. Das heißt solltest du den Mensch als schlecht betrachten und so dafür sorgen, dass du es schwieriger hast Beziehungen aufzubauen, kannst du dich selbst krank machen.


Wie anstrengend ist es denn bitte, immer erst genauestens prüfen zu müssen, wer dein Freund ist und wen du in dein Rudel lässt? Deshalb sollten wir genau den anderen Weg gehen.


Jeder Mensch ist unser Freund! Jeder Löwe ist gut. Außer er beweist uns irgendwann das Gegenteil. Du brauchst mir keinen Grund geben dir zu vertrauen. Wenn das ein Fehler war, wirst du mir irgendwann schon automatisch Gründe geben, es nicht mehr zu tun. Bei Löwen mag es dann vielleicht schon zu spät sein, aber Menschen beißen dir in der Regel nicht direkt den Kopf ab.


Somit werden wir mehr persönliche Beziehungen haben und dadurch gesünder und länger leben.


Das Problem daran ist, wir schaffen für unser Rudel die Eintrittsbarrieren ab. Wir lassen erstmal jeden rein. Und wie gesagt, wenn das wirklich jemand ausnutzen möchte, hat er es dadurch natürlich leichter. Deswegen sollten wir uns immer über die Benimmregeln bewusst sein und wissen, wann wir jemanden aus dem Rudel rausschmeißen sollten.



Was heißt das jetzt im Alltag?


Naja, ganz offensichtlich heißt das natürlich erstmal jedem Menschen eine Chance zu geben und nicht schon vorher abzublocken. Oftmals haben wir uns schon ein Urteil über jemanden gebildet, den wir noch nie getroffen haben.


Sophie und Timo erzählen dir zum Beispiel, was Kevin für ein Idiot ist. Sobald du Kevin triffst, versucht du unterbewusst diese Annahme zu bestätigen und achtest auf Dinge, die Kevin als Idioten auszeichnen. Stattdessen sollten wir probieren offen zu bleiben und genau das Gegenteil zu machen. Versuch lieber herauszufinden, wieso Kevin kein Idiot ist. Achte bewusst auf alle positiven Eigenschaften.


Du wirst aber nicht immer voreingenommen sein, wenn du neue Menschen kennenlernst. Sophie und Timo kennen auch nicht jeden. Viel häufiger wirst du ganz unbekannte Menschen treffen und dir unvoreingenommen deine eigene Meinung bilden müssen. Aber auch hier gilt genau das Gleiche - erstmal auf die positiven Eigenschaften achten.


Nur weil jemand anders aussieht, sich anders verhält oder spricht, muss er kein schlechter Mensch sein. Gib jedem erstmal die Chance dein bester Kumpel zu werden. Wenn er das nicht ist, wird er dir schon selbst die Gründe liefern. Wozu das langfristig führt, haben wir uns eben ja schon angeguckt.


In jedem Menschen erstmal einen Freund zu sehen, hat natürlich irgendwo auch Grenzen. Wenn jemand im Terminator-Style mit der Axt in der Hand auf dich zu läuft, solltest du vermutlich nicht davon ausgehen, dass er dein Freund ist. Aber diese Momente dürften verhältnismäßig selten sein - außer du bist Hollywood Schauspieler.


So, hast du dich jetzt entschieden? Bist du eher Team Timon oder Team Pumba? Ich bin auf jeden Fall Team Pumba. Jeder Mensch ist mein Freund!


By the way, Pumba überzeugt Timon im Film davon, dass Simba vielleicht gar nicht böse ist. Auch sie geben ihm eine Chance, sind offen und lassen ihn in ihr Rudel. Dadurch haben sie einen neuen Freund fürs Leben gefunden.


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