• gabo

Learn Fast, statt Fail Fast!



Beim Start: Here we go!

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5s nach Start: Liftoff!

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19s nach Start: Looks like we've got a lotta wind here today.

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40s nach Start: There's Mach 1.

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60s nach Start: Feel that mother go.

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73s nach Start: Uh-oh.


Danach bricht die Verbindung ab. Das NASA Space Shuttle Challenger fliegt in seine Einzelteile. 7 Astronauten sterben. Das Challenger Disaster war bis dahin der größte und schwerste Raumfahrtunfall.


Aber sind danach noch weitere Space Shuttles verunglückt? Ja, auf jeden Fall. Leider sogar einige. Aber nie wieder aus dem gleichen Grund!


Aus Fehlern lernt es sich in der Regel nämlich besonders gut. Insbesondere bei so fatalen Fehlern wie einem Raumfahrtunfall. Es wird bis ins kleinste Detail untersucht, woran es gelegen hat und wie der Fehler hätte vermieden werden können.


Tatsächlich lernen wir aus Fehlern sogar so gut , dass sich ein Shift in der Fehlerkultur einstellt. Ein Fehler wird oftmals nicht mehr als solcher angesehen, sondern bewusst provoziert. Fail Fast!


Dabei wird aber oft vergessen, dass sich nicht nur aus Fehlern und Misserfolgen lernen lässt. Von jedem Erfolg können wir mindestens genauso viel mitnehmen. Lass uns deshalb mal schauen, wieso wir uns nicht nur auf Fehler und Fail fast konzentrieren, sondern das Lernen an sich in den Mittelpunkt stellen sollten.



Status Quo - Fail Fast


Von Kind auf lernen wir eigentlich, dass nur Erfolg belohnt wird. Für gute Noten gibts ein Eis, für den Turniersieg einen Pokal oder eine Medaille. Dadurch rückt natürlich erstmal das Bild in den Vordergrund, Fehler und Misserfolgen seien schlecht, da es keine Belohnung gibt.


Dieses Bild hört aber nicht nach der Kindeszeit auf. Gerade bei den ganzen Konzernen werden dickere Boni für größere Erfolge ausgezahlt. Jedoch haben die Konzerne irgendwann festgestellt, dass sich Erfolg nicht immer auf die gleiche Weise messen lässt.


Manchmal muss etwas Neues geschaffen werden, dass nicht sofort Schwarze zahlen schreibt.


Robert Iger, CEO von Disney, beschreibt zum Beispiel wie schwierig es war seinen ganzen Top Managern klar zu machen, dass Disney+ ein Muss ist, in den ersten Jahren aber noch keinen Umsatz macht.


Andere innovative Unternehmen haben vorgemacht, wie es funktioniert kann. Netflix, Spotify und Co. haben eine ganz andere Kultur von Fehlern eingeführt. Sie haben angefangen, Fehler in ein positives Licht zu rücken und zu ihrem Vorteil zu nutzen.


So sehr, dass es mittlerweile zum guten Ton gehört, schnell Fehler machen zu wollen. In einer Podcast Folge wurde letztens sogar berichtet, dass Silicon Valley feiert, wenn ein neues Startup scheitert. Es kommen DJs, es gibt eine Alkohol Flatrate für alle - einfach dicke, dicke Party!



Fail Fast - woher kommt es?


Seinen Ursprung hat dieses Vorgehen in der Software Entwicklung. Bevor lange an einer Software programmiert wird, von der niemand weiß, ob sie überhaupt das macht, was die Kunden brauchen, soll lieber erstmal so schnell wie möglich ein Prototyp rausgebracht werden.


Ziel dabei ist schneller Feedback zu bekommen und sich anschließend auf die Fehler konzentrieren zu können, welche am schlimmsten sind. Agile ist hier das Buzzword, mit dem alle um sich werfen.


Später haben einige Leute festgestellt, dass so ein Vorgehen nicht nur auf Software Entwicklung begrenzt ist und es dann auf das Vorgehen ganzer Unternehmen ausgerollt. Insbesondere bei Startups hat es große Beliebtheit. Eric Ries hat wahrscheinlich mit seinem Bestseller Buch The Lean Startup entscheidenden Anteil dran.


Mittlerweile finden sich verschiedene Formen und Abwandlungen in nahezu jeder Branche und jedem Bereich. Es wird zum Beispiel selbst zur Ausbildung von Pharmakologen diskutiert.


Das heißt Fail Fast ist nichts, was nur Silicon Valley Unicorns vorbehalten ist, sondern lässt sich selbst auf jeden einzelnen von uns anwenden. Wenn du dich selbst besser kennenlernen und weiterentwickeln möchtest, wirst du dies schneller und besser können, je früher du dir Feedback einholst.


Du brauchst dazu nicht mal eine andere Person. Du kannst dir ja auch selbst Feedback geben, indem du reflektierst. Tagebuch schreiben ist zum Beispiel eine super Möglichkeit. Warum erzähl ich dir in meinem Artikel dazu.



Lernen ist nicht auf Fehler begrenzt


Diesen Shift in der Fehlerkultur finde ich mega! Aber gleichzeitig lenkt er etwas vom eigentlichen Ziel ab. Wir wollen ja keine Fehler machen, um Fehler zu machen, sondern um zu lernen. Das heißt Fehler machen und daraus zu lernen ist eine Möglichkeit, aber nicht die einzige.


Ich kann genauso auch aus Erfolgen lernen! In Zeiten des Erfolgs rückt das Lernenwollen aber meistens eher in den Hintergrund. Erstmal sind wir glücklich und der Erfolg wird gefeiert. Danach geht es dann meistens irgendwie weiter. Aber in der Regel machen wir keine tiefergehende Analyse, wieso wir eigentlich erfolgreich waren.


Nicht falsch verstehen - es soll natürlich erstmal gefeiert werden! Ist super wichtig und macht Spaß.


Aber wir sollten das Warum des Erfolgs nicht aus den Augen verlieren. Ansonsten machst du das nächste mal alles ganz genauso und wunderst dich am Ende eventuell, wieso es dieses mal nicht zum Erfolg führt. Du hast zwar das Gleiche gemacht, aber nicht verstanden, welche Aspekte beim letzten Mal eigentlich ausschlaggebend für den Erfolg waren.


Das heißt wir sollten auch beim Erfolg kurz stoppen und versuchen, genau wie beim Misserfolg, so viel wie möglich daraus zu lernen!



Challenger Mission


Gehen wir nochmal zurück zum Anfang zu dem Raumfahrtunfall der Challenger. Natürlich wurden viele unbemannte Probestarts durchgeführt, bevor sich überhaupt Astronauten in ihre überdimensionierten Anzüge begeben und Platz nehmen durften. Auch hier wurde bei Fehlstarts aus Fehlern gelernt und die Rakete so lange verbessert, bis sich die Ingenieure relativ sicher waren, dass alles passt.


Ich will hier gar nicht ins Detail gehen, was alles zum Crash geführt hat, sondern nur einen Aspekt hervorheben. Die Rakete hat versagt, weil es zu kalt war! Konnte das aus von Misserfolgen gelernt werden? Nein! Es gab ein paar Fehlstarts bei hohen, ein paar bei niedrigen und ein paar bei milden Temperaturen.


Wenn du dir das Bild anguckst, stellst du aber relativ schnell fest, dass du es ohne Probleme hättest feststellen können, hätte sich irgendwer die Erfolge angeguckt. Alle erfolgreichen Starts wurden bei Temperaturen von über 18°C durchgeführt. Das heißt jeder Start unter 18°C hat zum Misserfolg geführt. Manchmal liefern uns also nur die Erfolge das entsprechende Feedback!


By the way: Am Morgen als die Challenger abgehoben ist, waren -1°C.



Learn Fast!


An der Idee so schnell wie möglich Feedback einzuholen, ist grundsätzlich gar nichts auszusetzen. Das sollte genauso beibehalten werden. Es geht nur darum das Feedback auch gleichermaßen zu analysieren und zu bewerten.


Statt nur schnell Fehler zu machen, um aus ihnen zu lernen, sollten wir einfach anfangen schnell zu lernen. Unabhängig des Resultats sollten wir uns hinterher überlegen, wieso es ein Erfolg oder Misserfolg war.


Und die Fragen, die du dazu stellen kannst, sind in beiden Fällen genau die gleichen:


Was hat zum Misserfolg geführt? Was hätte den Misserfolg verhindert?

Was hat zum Erfolg geführt? Was hätte den Erfolg verhindert?


Genau wie ein Shift in der Fehlerkultur entstanden ist, Fehler also nicht mehr als schlecht angesehen werden, sollte auch ein Shift in der Erfolgskultur entstehen. Erfolg ist schön, aber wir brauchen uns nicht von ihm blenden lassen.


Der Erfolg war nicht unausweichlich. Es gab sehr sicher genug Punkte, an denen der Erfolg sehr schnell zu einem Misserfolg hätte werden können. Und genau diese Punkte sollten wir angucken. Was habe ich getan, um ein positives Ergebnis zu erzielen? Was wäre gewesen, hätte ich etwas anderes getan?


Also ja, sorg' für schnelles Feedback , aber behandle den Erfolg genauso wie du Misserfolge behandelst. Learn fast!



Was heißt das für deinen Alltag?


Silicon Valley Startups hin, Space Shuttles her - was kannst du für dich jetzt daraus mitnehmen?


Naja, erstmal solltest du überhaupt irgendwie Feedback bekommen, um aus irgendwas lernen zu können. Dazu gibt es verschiedenste Möglichkeiten. Manches Feedback kommt von ganz allein - bestandene Klausuren, abgeschlossene Projekte und so weiter. Ansonsten kannst andere Leute fragen - deinen Chef, deine Kollegen, Kommilitonen, Freunde. Oder du kannst dich selbst fragen.


Für Feedback, welches du nicht automatisch bekommst, ist es gut einen regelmäßigen Termin zu haben. Dadurch bekommst du einerseits sicher Feedback und andererseits kannst du dadurch überhaupt erst vergleichen. Umso häufiger, das heißt umso schneller du das Feedback bekommst, desto besser.


Und danach geht es darum aus dem Feedback zu lernen und nicht wie Homer Simpson den Kopf zu zumachen.


Wenn du eine schlechte Note schreibst oder einen schlechten Vortrag hältst, schaust du dir in der Regel sehr genau an, woran es lag. An welchen Stellen hat für die Klausur das Wissen gefehlt? Wo muss ich das nächste Mal mehr lernen? Wo hat der Vortrag Lücken gehabt? Wie kann ich ihn verbessern?


Und genau das sollten wir auch bei Erfolgen machen. Wenn du eine 1,0 geschrieben hast, guck dir an, was dazu geführt hat. Was hast du getan? Wie hast du gelernt? Wie kannst du sicherstellen, beim nächsten Mal ähnlich erfolgreich zu sein? Bei Vorträgen natürlich genauso.


Ansonsten kann es dir passieren, dass du in einem Jahr den nächsten Vortrag halten oder die nächste Klausur schreiben musst, dich an deinen Erfolg vom letzten mal erinnerst, aber wirklich gar keinen Plan mehr hast, wie es überhaupt dazu gekommen ist.


Meine ehemalige Chefin hat mal gesagt: "The single most important skill to acquire in the 21st century is lifelong learning!"


Lass uns aber sicherstellen, dass wir das Lernen nicht nur auf Fehler beschränken. Lass uns aus allen Möglichkeiten so viel wie möglich lernen. Learn fast, statt fail fast!


3..2..1.. Liftoff!