• gabo

Cmd+Shift+4 - Shortcut zum Erfolg?



"Deinen Traumjob finden in nur 2 Stunden"


"Verliere 10 kg in 2 Wochen"


"Wie du in 2 Monaten 30.000 € machst"


Schon mal gesehen? Bestimmt. Schon mal probiert? Vielleicht. Schon mal geklappt? Wahrscheinlich nicht.


Und wenn, dann nicht lange.


Zum neuen Jahr wird dir gerne alles schmackhaft geredet, damit du so richtig durchstarten kannst. Aber was steckt dahinter? Und funktioniert das?


Wir schauen uns deshalb an, warum dieses Jahr nicht das Jahr wird, indem du alle deine Ziele erreichst. Es wird "nur" ein weiteres Jahr, indem du dich kontinuierlich verbesserst und zur besten Version von dir selbst wirst.



Erfolg geht auf keinen Fall kurzfristig


Solche Werbeversprechen (10 kg in 2 Wochen) sind meiner Meinung nach alle Bullshit! Traumjob in zwei Stunden? Aha, welcher Youtube-Warrior hat heute einen Standardtest leicht abgeändert und im Super-Angebot für nur 74,99 € verkauft?


Solche Versprechen spielen mit uns. Sie bieten uns eine Skala. An dem einem Ende steht eine sehr große Zahl (das Erfolgsversprechen) und auf der anderen Seite eine sehr kleine Zahl (der Aufwand). Deshalb wirken sie super attraktiv. Ich will gar nicht bezweifeln, dass manche der Versprechen und die Methoden, die dahinter stehen, funktionieren. Das klappt schon irgendwie.


Aber nur kurzfristig.


Die Kosten, die damit verbunden sind, sind einfach viel zu hoch. Und damit meine ich nicht zwangsweise nur grüne Scheine. Du zahlst genauso mit anderen Dingen. Zum Beispiel mit Freundschaften, deinen Werten, deiner Freiheit oder deiner Gesundheit.


Denn damit du in so kurzer Zeit zum angepriesen Erfolg kommst, musst du radikale Schritte gehen.


Um zum Beispiel in kurzer Zeit viel Gewicht zu verlieren, musst du eine krasse Diät machen. So eine Diät kannst du aber niemals ewig durchhalten. Eventuell ist sie sogar super ungesund, weil du deinem Körper wichtige Nährstoffe entziehst.


Damit du in kurzer Zeit viel Geld machst, wirst du ganz sicher irgendwem auf dem Schlips treten müssen. Vielleicht dem Staat, weil du irgendwas illegales machst. Vielleicht wem Fremdes, dem du irgendeinen Scheiß verkaufst. Oder vielleicht auch deinen Freunden, die du in irgendwas reinreitest. Ganz nebenbei schmeißt du dabei auch noch deine Werte über den Haufen - tschüss Ehrlichkeit.


Für kurze Zeit kannst du das machen, aber auf Dauer wirst du damit bestimmt auf die Klappe fliegen. Es ist relativ einfach seine Gewohnheiten kurzzeitig auszusetzen und somit zum Erfolg zu kommen. Hast du zum Beispiel mal einen Raucher gesehen, der es geschafft hat 2 Monate aufzuhören? Ich auch. Und 2 Jahre? Deutlich weniger.


Um wirklich langanhaltend erfolgreich zu sein, solltest du auch einen nachhaltigen Weg wählen. Dazu musst du meistens deine Gewohnheiten und somit auch dich ändern. Und das geschieht nicht innerhalb weniger Stunden oder Tage. Ich wünschte auch es wäre so, aber ist es leider nicht.



Warum wir trotzdem in kurzer Zeit alles wollen


Ganz ehrlich? In erster Linie, weil wir es glauben wollen. Weil dadurch alles viel leichter aussieht. Weil dadurch Erfolg für jeden greifbar ist. Wir wollen uns nicht anstrengen. Wir wollen, dass uns alles auf dem Silbertablett serviert wird. Wir, du und ich, sind einfach faul und bequem. Erfolg? Jo! Anstrengen? No!


Deshalb ist jeder Shortcut willkommen. Wir wollen einfach, dass diese Versprechen funktionieren. Wir wollen in 2 Stunden unseren Traumjob finden, in 2 Wochen 10 kg abnehmen und in den nächsten 2 Monaten 30.000 € verdienen.


Denn bei den anderen klappt das doch auch! Justin Bieber musste nur einen Song schreiben und auf einmal war er berühmt. So einfach geht das.


Ja ja, schon. Davor hat er aber Jahre lang geübt, geübt und geübt. Frag mal Ed Sheeran, auch der kann dir ein Lied davon singen.


Für uns sieht es aus wie ein Shortcut - ist es aber nicht. Die Monate und Jahre Vorbereitung sehen wir nicht. Wie auch? Wir kannten die Person vorher nicht. Sie sind ja über Nacht berühmt geworden.



Die richtigen, langfristigen Ziele setzen


Einiges habe ich bereits erwähnt - radikale Schritte notwendig, eigene Werte über den Haufen werfen, andere übers Ohr hauen, falscher Eindruck von bereits erfolgreichen Menschen.


An ihnen finde ich besonders eine Sache problematisch: die Zielsetzung.


2 Stunden, 2 Wochen, 2 Monate - und dann? Was kommt danach? Nicht falsch verstehen, zeitliche Ziele sind super sinnvoll. Sie sollten aber nicht als Endstation, sondern nur als Zwischenziel angesehen werden. Das nächste Jahr wird nicht das Jahr, indem du alles erreichst. Es wird das Jahr, indem du den nächsten Schritt machst.


Es sollte vorher schon klar sein, was danach kommt. Denn deine Reise stoppt nicht nach ein paar Stunden oder Wochen, Monaten oder Jahren. Da ist kein Ende. Direkt danach geht die Reise zum nächsten Zwischenziel weiter. Und wenn du all deine Körner bereits auf dem Weg zur ersten Etappe verschossen hast, wird die weitere Reise ziemlich anstrengend.


Genauso schwierig sieht es mit festgesetzten Zahlen aus, also 5 kg oder 30.000 €. Denn einerseits tust du alles, um genau diese Zahl zu erreichen. Andererseits lehnst du dich zurück und ruhst dich aus, wenn du sie früher erreichst.


Hierzu je ein Beispiel:


Stellst du eine Woche vor Diät-Ende fest, dass dir noch 2 Kilo fehlen, um das Ziel zu erreichen, greifst du vielleicht zu drastischen Mitteln. Du isst extra wenig, damit du am Stichtag das bestimmte Gewicht hast. Und die Woche danach kriegst du einen Heißhunger, weil du es übertrieben hast und sich dein Körper wieder aufladen muss.


Wenn du es auf der anderen Seite schaffst deine 30.000 € schon nach 1 1/2 Monaten zu verdienen, hast du dein Ziel bereits frühzeitig abgeschlossen. Dir fehlt der Anreiz weiterzumachen und das Ziel zu übertreffen.


Du wirst bei guten Zielen übrigens häufig lesen, dass sie SMART sein sollen. In der Praxis find ich das aber oft nicht wirklich hilfreich. Die Methode finde ich an einigen Stellen nicht sinnvoll, aber vor allem störe ich mich sehr an dem R - realistisch. Ja, Ziele müssen realistisch und erreichbar sein, aber ich habe das Gefühl, dass dich diese Formulierung eher einschränkt. Wieso komme ich gleich nochmal drauf zurück.



Slow Success statt Shortcut


Vorab: das Nächste wird jetzt super langweilig klingen. Ich bin aber überzeugt, dass dir dies auf lange Sicht mehr helfen wird, als die schönen Sales-Versprechen vom Anfang.


Es ist vermutlich besser dir Zeit zu lassen und Geduld zu haben. Erfolg kommt schleichend und langsam. Wichtig ist nur, dass du nicht den Kopf in den Sand steckst, weil der Erfolg nicht sofort einsetzt, sondern durchhältst. Das erfordert aber Disziplin.


Das Schöne ist, Disziplin zahlt sich aus. Angenommen du verbesserst dich jeden Tag nur 1 %. Dann schau dir mal an, wie sich das langfristig auswirkt. Zu Beginn merkst du nicht allzu viel. Später wahrscheinlich auch nicht wirklich, weil du dich ja immer noch um nur 1 % verbesserst.


Vergleichst du aber deinen Start mit dem Ende, hast du unglaubliche Fortschritte gemacht. Und umso weiter du bereits bist, desto größer werden deine Fortschritte. Also halt durch, bleib diszipliniert!

Damit dir Geduld und Disziplin leichter fallen, ist es wichtig gute Ziele zu setzen.



Gute Ziele setzen


Ich habe vor ein paar Jahren angefangen Ziele für das nächste Jahr zu setzen. Und das ist echt nicht einfach. Ich bin immer noch nicht gut dadrin! Anfang diesen Jahres hieß ein Ziel zum Beispiel: "Für das Buch recherchieren." Das war ein realistisches Ziel, hat aber leider nicht wirklich den Zweck erfüllt. Für mein erstes Buch habe ich nicht nur recherchiert, sondern es fast fertig geschrieben. Das Ziel war nicht groß genug, sondern zu realistisch.


Außerdem ist die Frage, was danach kommt. Nur recherchieren bringt ja nichts. Das Ziel hätte einfach "Buch schreiben" heißen sollen. Oder vielleicht gleich Autor mehrerer Bücher zu werden. Das ist auf jeden Fall ein sehr großes Ziel. Nur wird ein Jahr vermutlich nicht ausreichen. Deshalb dürfen und müssen Ziele vielleicht sogar langfristig sein.


Das heißt, gute Ziele sind groß und langfristig. Sie beschränken sich nicht nur auf die nächsten Stunden, Tage oder Wochen, sondern idealerweise auf die nächsten Jahre. Dazu dürfen sie dir im ersten Moment fast nicht erreichbar scheinen. Wenn du der Meinung bist, das Ziel erreichst du locker, ist es nicht groß genug. Achte jedoch auch darauf, dass es nicht unerreichbar ist.


Ein Beispiel für ein großes, langfristiges Ziel könnte sein:


Ich möchte innerhalb der nächsten 5 Jahren einen Ironman erfolgreich absolvieren.


Groß? Wenn du heute nach 5 km joggen fast in Ohnmacht fällst, verdammt groß. Unerreichbar? Nein, tausende Menschen laufen jährlich einen Ironman - warum also nicht du? Langfristig? 5 Jahre sind schon eine ziemlich lange Zeit.


Damit dieses Ziel für dich erreichbar ist und du nicht komplett überfordert bist, wie und wo du überhaupt anfangen sollst, musst du kleine Zwischenziele setzen. Dadurch hangelst du dich Schritt für Schritt zum großen Ziel.


In unserem Beispiel könnte so ein erstes Zwischenziel heißen:


Innerhalb des nächsten Monats möchte ich 10 km joggen.


Moment. Eben habe ich noch gesagt solche Zahlen helfen dir nicht weiter. Und das stimmt auch. Deshalb lies den Satz nochmal.


Das kleine Zauberwort lautet "innerhalb". Erreichst du es früher, geht es direkt zum nächsten Zwischenziel. So vermeidest du dich auszuruhen, wenn du das Ziel erreichst. Außerdem solltest du das Zwischenziel nur so groß wählen, dass du es gut erreichen kannst. Du solltest vermeiden nur mit größter Not und ohne weitere Reserven anzukommen.



Nicht nur ein Ziel setzen


Für seine krassen Ansichten zum Arbeitseifer hat jeder eine andere Meinung zu Gary Vaynerchuk. Was ich aber sehr interessant finde, ist seine Zielsetzung. Gary erzählt regelmäßig, dass es sein großes Ziel ist die New York Jets zu kaufen.


Verdammt großes, langfristiges und fast unrealistisches Ziel. Aber genau in der Form, wie wir es uns eben angeschaut haben. Von daher passt es eigentlich.


Aber eigentlich möchte Gary dieses Ziel gar nicht erreichen. Der Tag an dem er das Ziel erreicht, wird laut ihm der schlimmste Tag in seinem ganzen Leben sein! Der schlimmste Tag, da das der Tag sein wird, an dem er seinen Lebenssinn, seinen Grund für all sein Handeln verlieren wird.


Und genau das berichten zum Beispiel auch fast alle Sportler nachdem sie sich wie der König auf den Thron der Welt gesetzt haben. Michael Phelps ist nach seinen 8 Goldmedaillen bei den Olympischen Spielen 2008 in ein regelrechtes Loch gefallen.


Er hatte alles, worauf er hingearbeitet hat. Hat alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Und jetzt? Nichts jetzt. Es gab kein weiteres Ziel, sondern erstmal nur Leere.


Deshalb sollten wir unser Streben nicht an einem einzigen Ziel ausrichten und unser Glück und unseren Wert nur am Erreichen dieses Ziels bemessen. Nach jedem Ziel sollte bereits das nächste warten. Denn dein Leben stoppt nicht, sobald du dein Ziel erreicht hast. Oder du hast direkt mehrere Ziele parallel zueinander. Dazu musst du aber auch der Typ sein.



Longcut zum Erfolg!


Wenn du das beherzigst, wirst du dich Schritt für Schritt verbessern - jeden Tag 1 % - bis du die Ziellinie vom Ironman erreicht hast. Und dann wartet schon das nächste große, langfristige, fast unrealistische Ziel auf dich.


Eine Sache noch. Wenn du das nächste mal von jemandem hörst, der ganz plötzlich ganz schnell Erfolg gehabt hat, dann hinterfrag mal, was er die ganzen Jahre zuvor gemacht hat. Hat er nur gechillt? Oder hat er seinen "schnellen" Erfolg mit großen, langfristigen Zielen durch Disziplin und Geduld erarbeitet?


Hatte er einen Shortcut zum Erfolg? Oder eher einen Longcut?



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