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Eindruck machen - nur welchen?



Angenommen wir könnten aktuell eine richtige dicke Party feiern - Geburtstag, Hochzeit, was auch immer. Du bist schon einen Moment da, hast dein erstes Getränk in der Hand und die anderen Gäste trudeln langsam ein.


Immer mal wieder kommen unbekannte Gesichter durch die Tür. Ein größerer, wasserstoffblonder Typ ist dabei. Er beachtet dich aber nicht, verzieht die Augenbrauen und geht einfach an dir vorbei. Komischer Typ.


Genau danach kommt ein etwas kleinerer, braunhaariger. Er lächelt freundlich, schaut in die Runde und begrüßt alle freundlich. Er fragt nach deinem Namen und stellt sich dann selbst mit Harry vor.


Später am Abend steht ihr gemeinsam an der Theke und er spricht dich direkt mit deinen Namen an. Krass, er hat sich erinnert! Direkt noch sympathischer.


Einen kurzen Moment später kommt der wasserstoffblonde dazu. Er sagt er heißt Draco und redet dann nur noch von sich selbst. Er ist dabei zwar eigentlich ganz nett, aber irgendwie fühlst du dich im Gespräch nicht ganz wohl.


Am nächsten Tag stellst du fest, dass sich Draco und Harry beide auf deine offene Stelle beworben haben. Die Lebensläufe sprechen für sich. Draco hat weit mehr auf dem Kasten. Trotzdem lädst du beide zum Vorstellungsgespräch ein, bei dem sie sich dann auch relativ gleich gut anstellen.


Und jetzt?


Wenn es nur nach dem Vorstellungsgespräch und den Skills ginge, müsstest du eigentlich Draco einstellen. Der erste Abend ist aber einfach im Gedächtnis geblieben. Selbst wenn Draco danach genauso sympathisch und arbeitstechnisch sogar besser sein würde, hätte ihm diese kurze Begegnung vielleicht schon gereicht, um sich einen neuen Job zu verbauen.


Erster Eindruck verkackt.


Wieso messen wir dem ersten Eindruck aber eigentlich so einen hohen Stellenwert zu? Was passiert da zwischen unseren Ohren?



Was passiert beim ersten Eindruck?


Versuch dich mal ein paar Tausend Jahre zurückzuversetzen. Du krabbelst aus deiner Höhle, um auf Nahrungssuche zu gehen. Anders als jetzt triffst du dabei eher nicht auf rote Ampeln, die dir sagen, ob Gefahr von links kommt oder du ungefährdet gehen kannst. Du musst dir dein Urteil in der Regel selbst bilden.


Zudem war die Gefahr damals viel allgegenwärtiger. Oder bist du in letzter Zeit mal einem Säbelzahntiger begegnet?


Das heißt du warst komplett auf dich und dein Gehirn angewiesen mögliche Gefahren zu erkennen. Umso schneller das geht, desto mehr Zeit hast du im Zweifel zu überleben.


Die erste Beurteilung von Situationen und einer potentiellen Gefahr geschieht in deiner Amygdala. Das ist so ein kleiner mandelförmiger Bereich in deinem Gehirn. Triffst du auf jemanden oder etwas entscheidet sie innerhalb kürzester Zeit, ob davon eine Gefahr ausgeht. Für dich läuft das ganz unbewusst ab.


Dies hat sich bis heute nicht geändert. Die aller erste Reaktion, wenn du jemanden neues siehst und dir einen ersten Eindruck bildest: Freund oder Feind? Böser Löwe oder liebes Kätzchen? Beim ersten Eindruck geht es also erstmal darum Vertrauen zu gewinnen und sich sicher zu fühlen.


Ein weiterer Effekt ist, dass du deinen Gegenüber in Bezug auf seinen Status und Autorität einschätzt. Beispielsweise konnte gezeigt werden, dass du dir in weniger als einer Sekunde eine Meinung bildest, ob ein Politiker bei einer Wahl Erfolg hat oder nicht. Das heißt du beurteilst seine Fähigkeiten bereits durch einen super kurzen Blick.



Wieso ist der erste Eindruck so wichtig?


Was meinst du wie lange deine Vorfahren gebraucht haben, um zu entscheiden, ob Freund oder Feind? Genauso lange wie du heute brauchst, um dir einen ersten Eindruck von jemanden zu machen.


0,1 Sekunden! In dieser Zeit ist die Entscheidung gefallen.


Nun kannst du mal selbst überlegen, wie du gegenüber deinen Freunden und deinen Feinden eingestellt bist. Wir reden hier jetzt nicht von deinen besten Freunden oder deinen "Erzfeinden" (falls du sowas überhaupt haben solltest). Sondern einfach von Leuten, denen du positiv oder eher negativ gegenüber eingestellt bist.


Die positive Einstellung wird sich in der Regel dadurch auszeichnen, dass dir jemand sympathisch ist. Und Sympathie führt unter anderem zu einer erhöhten Hilfsbereitschaft. Ist dir jemand sympathisch tust du ihm eher einen Gefallen, als wenn er es nicht ist. Und genauso sieht es natürlich andersherum aus.


Lange Rede, kurzer Sinn: Die erste Meinung wird super schnell gebildet und durch einen positiven ersten Eindruck wirst du es später leichter haben.


Außerdem wirst du immer einen Eindruck hinterlassen. Ob du willst oder nicht, du kannst nicht, nicht wirken! Deshalb solltest du schauen, dass der erste Eindruck gut ist. Denn einen schlechten ersten Eindruck bei jemanden wieder zu verbessern, ist relativ schwierig.



Wieso ist es schwierig einen ersten Eindruck zu ändern?


Die gute Nachricht zuerst. Grundsätzlich ist es möglich einen schlechten ersten Eindruck wieder gut zu machen. Das braucht aber leider Zeit und Anstrengung.


Vor allem liegt das daran, dass unser erster Eindruck in der Regel richtig ist. Wir treffen in den 0,1 Sekunden nämlich nicht irgendeine Entscheidung, sondern meistens eine ziemlich gute. Da es früher um Leben oder Tod ging, mussten wir dafür sorgen in unserer Beurteilung meistens richtig zu liegen. Insofern machen wir sehr häufig die Erfahrung, dass wir unserem ersten Eindruck vertrauen können.


Außerdem sind wir faul und laufen wo immer möglich auf Energiesparen. Wenn wir eine Entscheidung getroffen haben, möchten wir sie nicht unbedingt ändern. Meinungsänderungen sind anstrengend und kosten zusätzlich Energie. Das gilt natürlich auch für die Entscheidung, die du beim ersten Eindruck getroffen hast.


Das heißt um den ersten Eindruck zu ändern, musst du jemanden davon überzeugen, dass seine erste Entscheidung in diesem Fall nicht richtig war. Vor allem musst du es erstmal schaffen ihn zu motivieren, den Aufwand zu betreiben seine Entscheidung zu hinterfragen und zu überdenken.


Je nachdem wie viel Kontakt ihr habt, kann das schon mal Tage, Wochen oder Monate dauern.


Bevor du diesen Weg gehen musst, lass uns lieber mal schauen, wie du es dir viel leichter machen kannst - hinterlass' lieber direkt einen positiven Eindruck.



Was gehört alles zum ersten Eindruck?


Wenn du Online suchst, findest du insbesondere die Frage nach dem Vorstellungsgespräch immer wieder. "Welche Kleidung, welches Outfit sollte ich tragen?"


Und natürlich zählt deine Kleidung dazu. Ist nur leider noch etwas zu kurz gegriffen. Wenn du einen guten ersten Eindruck hinlegen willst, gehören da noch mehr Aspekte zu.


Der erste Punkt ist auf jeden Fall das Aussehen. Hiervon ist dein Outfit aber nur ein Faktor. Genauso zählt dein gesamtes Erscheinungsbild - Größe, Körperbau, Gesicht, Haare und so weiter. Hieran kannst du nicht so einfach was ändern, wie an deiner Kleidung, wirkt aber nun mal auf die eine oder andere Weise.

Als nächstes spielt dein Verhalten eine große Rolle. Also deine Mimik und Gestik, aber auch der Blickkontakt. Was vermittelst du? Lächeln und eine aufrechte Haltung sprechen von Freundlichkeit und Selbstbewusstsein. Augenbrauen zusammenkneifen und mit einem Buckel wie der Glöckner von Notre Dame rumlaufen eher nicht so. Blickkontakt wird meistens als positiv erachtet. Außer du hörst nicht mehr auf zu starren.


Aussehen und Verhalten sind tatsächlich die zwei Punkte, die beim aller ersten Kontakt überhaupt sicher wahrgenommen werden können. Es gibt aber noch weitere Punkte, die innerhalb der ersten Sekunden eine Rolle spielen.


Dazu gehört der Geruch, bzw. der Duft. Kennst du bestimmt - wenn jemand riecht, wie die Abwasserleitung, bist du eher abgeneigt.


Aktuell spielt der Händedruck nicht so die Rolle, aber normalerweise ist auch er ein weiterer Anhaltspunkt, um sich ein Bild von jemanden zu machen. Ich persönlich find es zum Beispiel echt unangenehm, wenn der Händedruck viel zu locker ist.


Selbst deine Stimme spielt eine Rolle. Ist sie hoch und schrill oder besonders tief? Je nachdem wird sie auch ihre Wirkung hinterlassen.


Und ganz zum Schluss sind natürlich noch die Sachen wichtig, die du wirklich sagst. Wenn du jemanden nur Beleidigungen an den Kopf schmeißt, wirst du definitiv auch einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Vermutlich war das dann aber auch der Letzte, den du bei der Person hinterlassen hast.



Wie hinterlasse ich einen guten ersten Eindruck?


Naja, gut ist relativ. Es kommt ganz drauf an, was du als gut definierst. Wenn du Seriosität als gut bezeichnest, dann wäre es vermutlich kein guter erster Eindruck bei einem Kunden als Clown verkleidet aufzuschlagen.


Das heißt zu deinen Äußerlichkeiten lässt sich nicht viel sagen, außer das, was dir jeder gute Berater sagen wird: es kommt drauf an.


Eben haben wir so schön besprochen, was alles zum ersten Eindruck zählt. Es ist aber eigentlich gar nicht wichtig, wie du dich darstellst. Tatsächlich ist es sogar ganz egal. Was wirklich zählt ist wie du wahrgenommen wirst!


Du kannst dich exakt gleich verhalten, der Dalai Lama wird definitiv einen anderen ersten Eindruck von dir haben als Donald Trump. Der eine sieht in dir einen Löwen und der andere eine Katze. Dementsprechend solltest du dir immer überlegen, mit wem du es zu tun hast und wie etwas bei der Person ankommt.


Ein paar Sachen können wir aber trotzdem als Faustregeln mitnehmen. Einige davon hat unser Freund Harry bereits richtig gemacht.


Ganz oben auf der Liste steht da sympathisch sein (Freund oder Feind?!). Das heißt zum Beispiel lächeln und offene Körpersprache. Außerdem hat es jeder gerne, wenn du ihm ein gutes Gefühl gibst. Dazu gehört, dass du Interesse an der Person zeigst, gut zuhörst und der Person dadurch vermittelst, dass sie wichtig ist.


Das machst du beispielsweise schon, wenn du dir kleine persönliche Details merkst. Du zeigst schon Wertschätzung, wenn du dir nur den Namen merkst oder die Person überhaupt wahrnimmst und begrüßt. Wirst du hingegen nicht beachtet oder du hast irgendwem schon tausend Mal deinen Namen genannt und er kennt ihn immer noch nicht, löst das natürlich genau das Gegenteil aus.


An unserem anderen Freund Draco solltest du dir also eher nicht so das Beispiel nehmen. Je nachdem in welches Harry Potter Haus du gerne möchtest, könnte der sprechende Hut sonst einen falschen ersten Eindruck von dir bekommen.


Mach' dir dein Leben leichter und hinterlasse einen guten ersten Eindruck. Sei lieber ein Freund und kein Feind!


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