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Selbstkommunikation - Warum du dein bester Kumpel sein solltest!



Vor einiger Zeit hat sich einer meiner besten Freunde angesteckt - Corona. Eigentlich wollten wir uns an dem Wochenende treffen. Züge waren schon gebucht, Stornierung war nicht mehr möglich.


Was hat er gedacht? So eine kacke! Hätte ich mich vielleicht besser doch nicht am Wochenende mit so vielen Leuten getroffen. Alles meine Schuld.

Was hab' ich gesagt? Alles halb so wild. Davon geht die Welt nicht unter. Können wir doch einfach wann anders nachholen. Viel wichtiger ist, dass du jetzt gesund wirst.


So eine Unterhaltung kommt dir wahrscheinlich bekannt vor. Man selbst macht sich direkt runter, gibt sich die Schuld oder meint man würde irgendwas nicht können oder schaffen. In der Regel sind wir dabei super kritisch mit uns. Viel kritischer als mit anderen.


Sind unsere besten Freunde in der gleichen Situation, ist nichts mehr zu hören von der Kritik oder den Zweifeln. Wir muntern auf, wir loben, wir bestärken, wir stehen zur Seite. Es kann eins zu eins die gleiche Situation sein, aber wir haben zwei komplett verschiedene Reaktionen darauf.


Ganz ehrlich, es macht gar keinen Sinn mit unseren Freunden anders zu reden, als mit uns selbst! Warum gucken wir uns jetzt mal genauer an.



Was beeinflusst unser Gehirn?


Unser Gehirn ist im Grunde wie ein Muskel. Wird es trainiert, wird die entsprechende Stelle stärker. Der einzige Unterschied ist, wie wir es trainieren. Kniebeugen und Liegestütze bringen nicht ganz so viel. Stattdessen reagiert es auf Reize.


Ein Reiz kann dabei fast alles sein. Alles, was du siehst, hörst, riechst, fühlst, schmeckst, aber auch denkst und sagst löst einen Reiz aus. Umso häufiger ein bestimmter Reiz ausgelöst wird, desto stärker trainierst du dein Gehirn. Um genau zu sein deine Synapsen im Gehirn.


Wenn wir uns die Reize jetzt nochmal kurz anschauen, können wir sie in zwei Gruppen unterteilen. Äußere und innere Reize. Welchen Einfluss äußere Reize haben können, habe ich in meinem Artikel zu Mental Diet schonmal aufgegriffen. Hier wollen wir uns vor allem mit den inneren Reizen beschäftigen.


Was zählt alles zu inneren Reizen? Darunter fällt alles, was du denkst und dir vorstellst, also alles, was du visualisieren kannst. Dazu zählen aber auch ausgesprochene Gedanken. Je häufiger du an etwas denkst, desto stärker wird die entsprechende Synapse ausgeprägt.


Das Aussprechen hat dabei sogar noch einen stärkeren Effekt, als das reine Denken. Die Synapse im Gehirn wird stärker angesprochen. Das ist zum Beispiel auch der Grund, wieso wir Dinge besser behalten, wenn wir sie laut vorlesen, als wenn wir sie im stillen lesen.



Wie wirken sich unsere Gedanken auf uns aus?


Ich hör dich quasi schon hinter deinem Bildschirm denken: "Jetzt fängt der auch schon mit diesem Hokuspokus an! Als wenn ich mir mein Leben schön denken könnte."


Kann ich verstehen. Fand ich am Anfang auch komisch!


Es konnte aber mittlerweile wiederholt aufgezeigt werden, dass es funktioniert. Beispielsweise hat man einigen Personen den Arm in Gips eingelegt. Ein paar davon durften einfach entspannen, die anderen sollten täglich gedanklich den gegipsten Arm trainieren. Im Resultat war der Arm der Gedankensportler doppelt so stark, wie der Arm der Kontrollgruppe.


Wieso das funktioniert, erklärt die Neurowissenschaft. Aufnahmen des Gehirns zeigen sehr gut, welche Bereiche stimuliert werden während wir einerseits gedanklich und andererseits körperlich Sport machen. Und zwar sind es in beiden Fällen genau die gleichen!


Beim Denken werden Reize vom Gehirn so verarbeitet, als wären es äußere, körperliche Reize. Dir zu sagen, dass etwas gut ist, kann dein Belohnungszentrum genauso aktivieren, als würdest du wirklich etwas gutes erleben.


Was in die eine Richtung funktioniert, funktioniert aber leider auch in die andere. Negative Gedanken stimulieren die gleichen Bereiche, wie negative Erlebnisse.


Innere Reize in Form von Gedanken nehmen also einen direkten Einfluss auf uns und unser Gehirn. Wozu kann dieser Einfluss aber langfristig führen?



Affirmation - Was bringt es?


In dem Zusammenhang wird immer wieder von Affirmation gesprochen. Falls du nicht weißt, was eine Affirmation ist - "Du bist stark!" - das ist eine. Im Grunde also das, was wir unseren besten Freunden sagen oder raten würden.


Bei Affirmationen wird von zwei grundlegenden Effekten berichtet, welche sich später auf ganz viele andere Bereiche auswirken.


  1. Sie schaffen Objektivität. Wenn wir uns auf die negativen Aspekte konzentrieren, scheinen Probleme in der Regel super groß und unüberwindbar. Affirmationen sorgen dafür, dass wir positiv über etwas denken, wodurch wir eine andere Perspektive kennenlernen und einnehmen.

  2. Wir gehen Probleme eher an, als ihnen aus dem Weg zu gehen. Der Mensch tendiert dazu Schmerz und Verlust eher vermeiden zu wollen, als das Vergnügen zu suchen. Verluste wiegen schwerer, als Gewinne. Wenn du dich zusätzlich mit negativen Gedanken bestärkst ein Problem nicht beseitigen zu können, wirst du es ganz bestimmt auch nicht tun. Durch Affirmationen erreichst du das Gegenteil.


Aus diesen beiden Effekten leiten sich einige positive Dinge ab. Zum Beispiel führen Affirmationen zu einem niedrigeren Stress-Level und sie sorgen für eine verbesserte mentale Gesund.


Meiner Meinung nach braucht man nichtmal eine Studie, um darauf zu kommen. Wenn ich Probleme aus dem Weg schaffe und nicht ewig vor mir herschiebe, ist es ganz natürlich, dass ich weniger Stress habe. Und wenn ich immer nur die negativen Aspekte einer Sache betrachte, geht es mir mental natürlich auch nicht so gut!



Wie solltest du jetzt mit der Person im Spiegel sprechen?


Online findest du eine Million tolle Affirmationen (von denen ich selbst noch keine ausprobiert habe), die zu jeder Lebenslage und jedem Typ passen.


Vielleicht ein guter Anfang, aber um die geht es mir gar nicht. Es geht mir viel mehr um die ganzen Dinge, die du dir von morgens bis abends kontinuierlich selbst an den Kopf schmeißt. "Ich kann dies nicht, ich kann das nicht, ich habe dies schlecht gemacht, ich habe das verkackt."


Du glaubst gar nicht wie oft solche Sätze normalerweise fallen. In einer Runde mit Freunden habe ich das mal still und heimlich mitgezählt. Ich kann dir sagen sehr oft! Und das waren nur die ausgesprochenen Sätze. Dazu kommen dann noch die stillen Gedankengänge.


Umso häufiger du aussprichst "ich kann nicht singen", desto dicker wird auch die Synapse in deinem Gehirn, die genau das glaubt.


Stattdessen sollten wir andere Synapsen trainieren. Nämlich die, die uns helfen unseren Stress-Level zu reduzieren. Das heißt wir sollten uns positiv zusprechen. Aus "ich kann nicht singen" könnte zum Beispiel "ich kann noch nicht singen" werden. Aus "ich habe das verkackt" kann "das lief nicht optimal, aber alles halb so wild, beim nächsten Mal wird's besser" werden.


Das bezieht sich auf alles, was wir denken, sagen, lesen oder hören.


Das Ganze hat natürlich irgendwo seine Grenzen. Du kannst dir einreden, dass du fliegen kannst. Wenn du vom Dach springst bist du zwar ein Vogel, aber keiner der fliegen kann!


Ebenso ist es mit allem anderen.


Mir geht es in erster Linie aber gar nicht darum, dass wir uns das Leben schön reden sollten. In erster Linie sollten wir erstmal damit aufhören, uns selbst schlecht zu machen. Es ist meistens nicht ansatzweise so schlimm und schlecht, wie wir es machen.


Sei dein bester Kumpel!


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