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Wie du deinen Beruf zum Hobby machst.



Ein Manager besucht einen einfachen Fischer, welcher die Tage damit verbringt für sich und seine Familie 1-2 Fische zu fangen und die restlichen Stunden mit ihnen am Strand zu sitzen und zu spielen.


Der Manager schlägt ihm vor etwas weniger Zeit am Strand zu verbringen, aber dafür noch ein paar mehr Fische zu fangen. Die Fische könnte er dann verkaufen. Mit der Zeit hätte er mehr Geld für ein größeres Boot und könnte sich vielleicht sogar Angestellte leisten. Die Fänge wären größer. Er hätte mehr Überschuss. Es gäbe noch mehr Geld. Dadurch könnte er genug sparen, um früher in Rente zu gehen und die Tage so zu verbringen, wie er möchte.


Der Fischer denkt kurz nach und fragt, ob er in Rente dann trotzdem noch fischen könnte - so 1-2 Fische am Tag für die Familie? Klar geht das. Und könnte er dann die restlichen Stunden vom Tag am Strand verbringen? Auch das geht natürlich.


40 Jahre. 225 Tage im Jahr. 8 Stunden am Tag.


So lange wirst du als Durchschnitts-Deutscher voraussichtlich mit deinem Beruf verbringen. Danach steht für die meisten die Rente an. Endlich das tun, worauf du Lust hast und deine Hobbys ausleben.


Die Geschichte vom Fischer will uns sagen, dass Beruf und Hobby nicht getrennt sein müssen. Wir dürfen die 40 Jahre bereits mit Aktivitäten verbringen, welche uns Spaß machen. Wir müssen dafür nicht erst auf die Rente warten.


Typischerweise findest du deshalb tausend Ratgeber, wie du dein Hobby zum Beruf machen kannst. Eine nette Abwechslung bietet Tim Ferris, indem er uns erklärt, wie wir uns nur 4 Stunden die Woche abmühen müssen. Aber du findest quasi gar nichts, was dir erklärt, wie du deinen Beruf zum Hobby machst.


Deshalb will ich dir genau dafür ein paar Ideen mitgeben.

Aber erstmal von vorne. Lass uns kurz klären, was grundsätzlich dafür und was dagegen spricht den Beruf mit dem Hobby zu kombinieren.



Hobby gleich Beruf - was spricht dagegen?


Mit kleinen Kids wurde ausprobiert ausprobiert, welchen Einfluss Belohnungen auf die Dinge haben, die ihnen Spaß machen. Bei den Kindern ging es ums Malen. Für den Versuch wurden sie in Gruppen aufgeteilt. Eine Gruppe hat einfach so gemalt, eine andere hat anschließend zur Überraschung eine Belohnung bekommen und der letzten Gruppe wurde die Belohnung vorab versprochen.


Welche Gruppe hat im Schnitt am meisten gemalt? Die ersten beiden Gruppen. Weit vor der Gruppe, welche von vornherein mit einer Belohnung gerecht hat. Die Kids haben das Malen nicht mehr als spaßige Beschäftigung angesehen, sondern als Mittel zum Zweck.


Korrumpierungseffekt oder Overjustification Effect wird das Phänomen genannt. Sobald wir für unser Handeln belohnt werden, laufen wir also Gefahr, dass unser Hobby gar nicht mehr unser Hobby ist.


Außerdem konnte wiederholt aufgezeigt werden, welche Vorteile freiwillige Arbeit auf uns haben kann. Weil freiwillige Arbeiter in der Regel großen Spaß daran berichten und dabei kein Geld verdienen, setze ich sie mit einem Hobby gleich.


Wird regelmäßig freiwillig gearbeitet, führt das zu einer verbesserten mentalen Gesundheit. Wir fühlen uns besser, weil wir mehr Anschluss an die Gesellschaft haben und ohne eigene Erwartungen etwas geben und damit anderen helfen. Regelmäßig heißt dabei ca. 1-2 Stunden wöchentlich.


Außerdem verbessert sich tatsächlich auch unsere physische Gesundheit. Freiwillige Arbeiter haben eine höhere Lebenserwartung. Das ist vermutlich ein direkter Nebeneffekt der mentalen Gesundheit. Wie sagt man so schön: "Gesunder Geist, gesunder Körper".


Sollten wir uns stattdessen für die gleiche Arbeit bezahlen lassen, verschwinden diese Effekte. Dafür treten andere in den Vordergrund.



Hobby gleich Beruf - was spricht dafür?


Überlegen wir uns nochmal, was der Korrumpierungseffekt genau aussagt. Wenn wir mit extrinsischen Anreizen gelockt werden, sind wir weniger motiviert eine bestimmte Aufgabe zu erledigen. Und das ist nicht verwunderlich, sondern konnte ganz unabhängig davon gezeigt werden, ob die Aufgabe ein riesiges Hobby von uns ist oder nicht.


Das Problem des Korrumpierungseffekts ist, dass er nur aus der einen Richtung schaut. Du hast zu Beginn ein Hobby, welches dir super Spaß macht und wirst anschließend dafür bezahlt.


Wie sieht es aber andersherum aus?


Nehmen wir an du wirst mit einem festen Einkommen bezahlt. Zu Beginn machst du nur Aufgaben, die dir Null Spaß machen. Anschließend bekommst du Aufgaben, welche du richtig geil findest und selbst in deiner Freizeit machen würdest. Du brauchst kein Wissenschaftler sein, um dir denken zu können, dass dir dein Job plötzlich sehr viel besser gefällt.


Das liegt natürlich nicht am Geld - ist ja in beiden Fällen genau das Gleiche. Viel mehr liegt es daran, dass du intrinsisch motiviert bist. Du würdest die Aufgabe sogar ganz ohne Bezahlung machen. Einfach, weil du Bock darauf hast.


Menschen, die aus intrinsischen Motiven handeln, geht es übrigens gesundheitlich deutlich besser. Sie leiden zum Beispiel weniger häufig an Depressionen. Zudem sind ihre Stress-Level viel geringer. Etwas, was mir Spaß macht, stresst mich in der Regel nicht oder zumindest niemals so sehr, wie etwas, dass ich nur des Geldes wegen mache.


Ein dauerhaft anhaltender Stress ist übrigens der Hauptgrund für Burnout. Das heißt wenn du einen Beruf nur hast, um damit Kohle zu verdienen, führt er zu einer größeren Wahrscheinlichkeit zum Burnout. Andersherum habe ich noch nie von jemanden gehört, der Burnout bekommen hat, weil er zu viel Spaß hatte.


Last but not least bringt dir ein Haufen Geld nichts für deine langfristige Zufriedenheit. Wenn du dich fragst warum, lies gerne meinen Artikel dazu.



Und nun? Hobby und Beruf mixen?


Die Entscheidung werde ich dir leider nicht abnehmen können. Ich kann dir aber meine Meinung sagen.


Ich persönlich bin überzeugt davon, dass unser Beruf nicht nur ein Mittel zum Geld verdienen sein sollte. Wir verbringen viel zu viel Zeit damit!


Zudem sind die Argumente unser Hobby und unseren Beruf voneinander zu trennen in meinen Augen relativ schwach. Die positiven Effekte von einer Stunde freiwilliger Arbeit kann ich so oder so holen. Ich mein, es ist halt nur eine Stunde die Woche. Nicht 40.


Aber 40 Stunden die Woche eine Arbeit zu machen, die mir keinen Spaß macht, ist eine ganz andere Nummer - keine Motivation, hoher Stress-Level und in den schlimmsten Fällen Depressionen und Burnout. Lass' mal lieber sein!


Meiner Meinung nach sollte unser Beruf auch unser Hobby sein!


Jetzt mag gegebenenfalls noch das Sicherheitsargument kommen. Dem Hobby nachgehen würde dazu führen, dass du eventuell nicht viel und nicht regelmäßig Geld verdienst. Weil diese Unsicherheit Stress und Angst auslösen könnte, sei es besser einfach einen sicheren Beruf zu haben.


Absoluter Quatsch! Das Sicherheitsargument unterstellt immer, dass du selbstständig werden musst, um deinem Hobby beruflich nachzugehen. Das muss aber nicht so sein.


Wir können auch unseren Beruf zum Hobby machen und hätten ganz nebenbei sogar noch den Korrumpierungseffekt ausgetrickst.

Mach deinen Beruf zum Hobby


Als ein Beispiel möchte ich dir dazu die Story von Jay Shetty mit an die Hand geben. Er hat als IT-Berater bei Accenture gearbeitet. Seine Begeisterung lag aber gar nicht so sehr in der IT-Beratung, sondern darin Menschen auf persönlicher Ebene zu helfen.


Deshalb hat er seinem Vorgesetzten vorgeschlagen, einmal die Woche eine Session über Achtsamkeit und Meditation mit dem Team zu machen. Der Chef war einverstanden und die Sessions kamen super an. Nach ein paar Wochen wurde er gebeten auf einer Unternehmens-Veranstaltung vor über 1000 Leuten über Achtsamkeit zu sprechen.


Neben tobendem Applaus, durfte er danach sehr viel mehr Zeit mit seinem vermeintlichem Hobby bezahlt verbringen. Mit der IT-Beratung hatte er irgendwann quasi nichts mehr zu tun.


Was ich dir damit sagen möchte ist, dass du deine Hobbys und Stärken auch bei deinem aktuellen Job einbringen kannst. Vielleicht werden sie sogar mit offenen Armen empfangen.


Dazu musst du aber aktiv nach Möglichkeiten suchen. Dein Arbeitgeber hat dich auf eine bestimmte Stelle gesetzt und wird mit großer Sicherheit nicht plötzlich auf dich zukommen und dich fragen, ob du nicht lieber dein Hobby ausüben möchtest.


Deshalb überleg dir einfach mal, inwiefern dein Arbeitgeber von deinen Hobbys profitieren könnte. Wie könntest du eine Win-Win-Situation herbeiführen? Wenn du einen entsprechenden Anwendungsfall hast, schlag es einfach mal vor.


Vermutlich ist es besser, genau wie Jay Shetty, erstmal ganz klein zu starten und anschließend nach und nach auszuweiten. Gegen wöchentlich 1 Stunde, werden die meisten nichts einzuwenden haben. Und wenns gut läuft, wird aus der Stunde schnell eine zweite oder sogar eine ganze Woche.


So können wir unsere Hobbies Stück für Stück in den Beruf einfließen lassen. Wir können ein wenig mehr Fischer werden.


Jetzt musst du nur noch deinen Vorgesetzten an die Angel bekommen.