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6 unpopuläre Neujahrsvorsätze



Ich kann mich noch ziemlich gut an eine Radioshow am Anfang des Jahres erinnern, bei der die Moderatorin eine Anruferin nach ihren Neujahrsvorsätzen gefragt hat.


Die Anruferin war ziemlich genervt und meinte nur, dass sie Neujahrsvorsätze für Schwachsinn hält. Keine Ahnung, an welche Neujahrsvorsätze die Anruferin im Detail gedacht hat, aber vermutlich sowas wie mehr Sport, weniger Alkohol, gesünder essen, ...


Ich kann das genervte gut nachvollziehen. Kaum ist Weihnachten rum und der Körper bis oben hin mit Gänsebraten-Energie geladen, sind alle so motiviert, dass sie meinen im neuen Jahr fliegen zu lernen. "Nächstes Jahr wird mein Jahr!" "New Year, New Me!"


Plötzlich soll das Leben schneller umgestellt werden, als ein Chamäleon die Farbe wechselt. Das neue Jahr ist dann aber meistens schon wieder Ende Januar vorbei.


Das ernüchtert. Vor allem, weil es jedes Jahr die gleichen Neujahrsvorsätze sind, die wieder nicht eingehalten werden - von dir selbst und von allen anderen.


Das Problem an diesen Neujahrsvorsätzen ist in meinen Augen die Zielsetzung. Die Frage lautet immer: Um dieses Ziel zu erreichen, was muss ich an mir ändern?


Ich will das Konzept deshalb auf den Kopf stellen. Lass uns nicht beim Ziel, sondern bei uns, unseren Werten und unserer Denkweise anfangen. Danach können wir uns immer noch die Frage stellen, welche konkreten Ziele wir jetzt erreichen können und wollen.


Wieso solltest du das tun? Jedes Ziel ist hart zu erreichen, wenn deine Grundeinstellung und dein Umfeld nicht stimmt. Wenn die Grundlagen aber gelegt sind, sind Ziele viel leichter zu erreichen.


Deshalb möchte ich dir 6 unpopuläre Neujahrsvorsätze mitgeben, die dir helfen diese Grundlagen zu legen.



Mehr Social Distancing


Ich weiß, ich weiß - wir haben es eigentlich alle satt. Wir wollen endlich wieder die Dinge tun, die uns Spaß machen, wann wir wollen, wo wir wollen und mit wem wir wollen.


Und das sollst du auch!


Aber es gibt genug Menschen, zu denen du auch nächstes Jahr noch mindestens 1,5 m Abstand halten solltest.


Menschen, die deine Ambitionen ständig schlecht machen.

Menschen, die aus allem ein Drama machen.

Menschen, die sich in selbstgeschaffenen Problemen als Opfer darstellen.

Menschen, die nur mit dir reden, wenn sie irgendwas von dir wollen.

Menschen, die sich selbst belügen.

Menschen, die deiner mentalen Gesundheit nicht gut tun.


Brauchst du alle nicht! Das sind Menschen auf die wir verzichten können und sollten.


Lass uns auch nächstes Jahr weiterhin mehr auf soziale Distanz gehen als sonst.



Weniger Freunde


Früher auf dem Schulhof gab es ein ungeschriebenes Gesetz: hab so viele Freunde wie möglich! Wer viele Freunde hatte war beliebt, war cool. Wenige Freunde hatten nur Außenseiter. So zumindest die Denkweise.


Und wie viele davon waren wirklich unsere Freunde?


Ganz wichtig: Du sollst bitte bitte Freunde haben, mit weniger meine ich nicht 0 Freunde. Aber du brauchst keine 157 Halbbekannte, die du nichtmal richtig kennst und dir auch gar nicht wichtig sind.


Du bist nicht mehr auf dem Schulhof und brauchst nicht jedem gefallen. Lieber mehr Qualität und weniger Quantität!


Wie viele Freunde das jetzt genau sind kann ich dir nicht sagen. Manch einem fällt es leichter guten, engen Kontakt zu Menschen zu halten, anderen schwerer. Mancher braucht mehr Menschen um sich herum, andere weniger.


Meine Freundin ist zum Beispiel mega gut darin zu vielen Menschen Kontakt zu halten und hat dadurch einer relativ großen Freundeskreis. Vor allem braucht sie das auch. Das macht sie einfach glücklich. Ich bin da etwas anders. Ich melde mich unregelmäßig (wenn überhaupt) und das auch nur bei einigen wenigen Menschen.


Das Ding ist, keiner von uns ist besser. Es kommt nicht darauf an, wie viele Freunde du hast. Es kommt darauf an, dass du Freunde hast, die dir gut tun und mit denen du dich gut fühlst.


Du brauchst auf keinen Fall irgendwelche 100 Freunde. Du brauchst Freunde auf die du zählen kannst. Ich habe lieber einen richtigen, als 100 falsche Freunde. Weniger falsche Freunde lassen dich außerdem mehr Energie für alle anderen Ziele haben.


Lass uns weniger Freunde haben.



Mehr Egoismus


Stell dir vor wir hätten alle einen Menschen an unserer Seite, der uns bei allem hilft und uns immer glücklich macht. Wär' das nicht perfekt? Aber diesen Menschen gibt es. Das bist du!


"Im Falle eines Druckverlustes fallen automatisch Sauerstoffmasken aus der Kabinendecke. Ziehen Sie die Maske ganz zu sich heran und drücken Sie sie fest auf Mund und Nase. Helfen Sie erst danach Kindern und hilfsbedürftigen Menschen."


Im Flugzeug sollst du erst deine eigene Atemmaske aufsetzen, bevor du anderen hilfst - aus gutem Grund! Du kannst nur helfen, wenn dir bereits geholfen ist. Keiner hat was davon, wenn du versucht wem anderes zu helfen und auf halben Weg in Ohnmacht fällst.


Gleiches gilt auch für alle anderen Bereiche in unserem Leben. Du kannst andere Menschen nur glücklich machen, wenn du selbst glücklich bist.


Und wenn du dazu mal egoistisch sein musst, sei egoistisch. Denk erst an dich. Hilf erst dir selbst. Mach erst dich glücklich. Sei der Mensch an deiner Seite. Wenn du dann soweit bist, kannst du dich um alle anderen kümmern.


Und solltest du meinen dich für andere aufopfern zu wollen: Deine Gesundheit, deine Zufriedenheit, Du(!) bist genauso wichtig, wie jeder andere.


Durch mehr Egoismus geht es dir besser und du kannst anschließend deine zusätzliche Energie für alles andere und alle anderen einsetzen.


Lass uns egoistischer sein.



Weniger Konsistenz


Konsistenz wird im allgemeinen als Stärke angesehen. Wer zu seinem Wort steht ist ein Ehrenmann. "Versprochen ist versprochen und wird auch nicht gebrochen."


Ja und nein!


Ja, du sollst niemanden hängen lassen, dem du dein Wort gegeben hast! Aber nein, du sollst nicht irgendwas nur tun, weil du irgendwann zugestimmt hast oder es schon lange machst.


Schön, dass du früher vielleicht mal dein Commitment gegeben hast. Es hat dir vielleicht auch mal Spaß gemacht. Wenn es das aber aktuell nicht mehr tut, sei inkonsistent, hör auf damit. Du entwickelst dich weiter oder liegst auch einfach mal mit einer Entscheidung falsch.


In dem Zusammenhang gibt es den Effekt der Sunk Cost Fallacy. Aufwände, die in der Vergangenheit liegen, werden für zukünftige Entscheidungen berücksichtigt. Auch wenn daran gar nichts mehr geändert werden kann und es eigentlich gar keinen Sinn macht. Die investierte Zeit wäre ja sonst verloren.


Nein! Wenn es dir von jetzt an keinen Mehrwert bietet, brauchst du es auch nicht mehr. Ganz nach dem Motto: "Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern?!"


Und wenn wir feststellen, dass es uns keinen Wert mehr bietet, lass uns der inkonsistenteste Mensch auf dieser Welt sein. Lass uns schneller auf Unfollow klicken, lass uns schneller den Job kündigen, lass uns schneller eine Beziehung beenden.


Weniger Konsistenz schafft Platz für die Dinge, die dir wichtig sind.


Lass uns weniger konsistent sein.



Mehr Misserfolge


Ich bin überzeugt davon, dass niemand erfolgreich sein will, um erfolgreich zu sein. Jeder will das, was er sich vom Erfolg verspricht. Zum Beispiel Sicherheit und Zufriedenheit.


Aber darf ich dir was sagen? Der sicherste Weg dahin ist Misserfolg. Die erfolgreichsten Menschen, sind nicht die, die am meisten Erfolg haben, sondern die, die den meisten Misserfolg haben.


Sie haben den meisten Misserfolg, weil sie am meisten ausprobieren und am öftesten damit auf die Klappe fliegen.Wofür ist Thomas Edison vor allem bekannt? Für die Erfindung der Glühbirne. Wie viele Patente hat er in seinem Leben angemeldet? Über 1000!


Da waren noch viele gute und sinnvolle Erfindungen dabei, aber die Großzahl braucht kein Mensch - absoluter Reinfall, kompletter Misserfolg. Aber vor allem die eine gute von 1000 Erfindung macht ihn zu einen der bedeutendsten Erfindern überhaupt.


Je mehr du ausprobierst und je öfter du auf die Klappe fliegst, desto mehr Feedback kriegst du und desto mehr lernst du dazu. Durch mehr Misserfolg kannst du deine Ziele besser meistern.


"1000 mal probiert, 1000 mal ist nichts passiert. 1001 und eine ..."


Lass uns mehr Misserfolge haben.



Weniger Neujahrsvorsätze


Ja, sorry, jetzt gebe ich hier selbst direkt 6 Neujahrsvorsätze vor und sag am Schluss wir sollten weniger davon haben. Mit dem Punkt meine ich aber gar nicht die Anzahl. Ich meine den Zeitpunkt und die Zeitspanne!


Wozu brauchen wir das neue Jahr? Warum warten? An sich verstehe ich, dass sich manche Menschen mit Beginn eines neuen Zeitraums besser motivieren können (nächste Woche, nächsten Monat, nächstes Jahr fange ich an).


Aber richtig Sinn macht es in meinem Kopf trotzdem nicht. Es gibt keinen perfekten Zeitpunkt irgendwas zu starten. Jeder Zeitpunkt ist gleich schlecht oder gut. Warum deshalb nicht direkt heute starten? Dann hast du bis zum neuen Jahr schon einige Tage Vorsprung!


Außerdem ist ein Jahr schnell wieder rum. Vermutlich möchtest du aber gar nicht, dass deine Neujahrsvorsätze nur ein Jahr lang halten. In den meisten Fällen wollen wir eigentlich Lebensvorsätze.


Deshalb solltest du früher starten und später aufhören. Du brauchst kein neues Jahr dazu.


Lass uns weniger Neujahr und mehr Vorsätze haben!



Mit der ganzen neuen Zeit und Energie, die du durch diese Vorsätze zur Verfügung hast, welche klassischen Neujahrsvorsätze willst du jetzt angehen?